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Historische Streitereien zu Fischfrevel und zu den Fischereirechten

April 1959

Vermehrt Fischfrevel auf deutscher Seite: Schweizer Grenzwächter erstattete Meldung an BGD dass unterhalb Obergailingen ohne Bewilligung mindestens 2 Forellen gefangen wurden. Herr Fitzner wurde vor Ort vom Fischer G. Schmidt mit einer Pistole bedroht. Herr Kies Polizei Gailingen stellte am Tatort fest, dass es sich um eine Schreckschusspistole handelte. Der Rapport von Polizist Kies wird vermutlich nicht nach Konstanz weiter geleitet.

Herr G. Schmidt Konstanz wird eine Busse zugestellt. Am 3. April, 10. April und 11. April 1959 freventlich mehrere Forellen gefangen. Der Anwalt von G. Schmidt zweifelt grundsätzlich das Recht, innerhalb der deutschen Hoheitsgrenze Fischereibefugnisse auszuüben.

27. Mai 1959

Konferenz in Frauenfeld über Fischereirechte im Rhein zwischen Dr. E. Brunner BGD und Herr Oberregierungsrat Wöhrle Landratsamt Konstanz mit Herr Dr. Kihm, Fischereidepartement Frauenfeld. Das Landratsamt Konstanz stellt das Fischereirecht der Bürgergemeinde Diessenhofen nicht in Zweifel.

Das Fischen vom nördlichen Ufer aus ist jedermann untersagt. Das Nordufer wurde durch die Bürgergemeinde als Schongebiet bestimmt. Herr Oberregierungsrat Wöhrle erteilte dem Landespolizeiposten Gailingen strenge Weisung jeden Fischfrevel im Fischwasser der BGD unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Die vom Landratsamt ausgegebenen roten Fischerkarten hatten Gültigkeit für die Ausübung der Fischerei auf dem Geltungsgebiet der Fischereiordnung für den Untersee und den Rhein vom 3. Juli 1897, das heisst von der Konstanzer Rheinbrücke bis zum Punkt wo die badische Landesgrenze unterhalb Stiegen den Rhein verlässt.

Es wäre sehr wünschenswert, wenn ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht würde, dass der Besitz der Karte keinerlei Berechtigung gibt ausserhalb des genannten Geltungsgebietes zu fischen. Es ist dringend erwünscht, dass die Landespolizei dem seit ca. 2 Monaten andauernden Fischfrevel durch Konstanzer Sportfischer Einhalt gebietet.

12. Juni 1959

Bürgermeisteramt Gailingen bittet Dr. Brunner BGD nachträglich zu dem Treffen mit Herrn Wöhrle, doch einem Dutzend Gailingern auf einer bestimmten Strecke am deutschen Ufer das Fischen zu gestatten.

17. Juni 1959

Dr. Brunner gibt ablehnend Bescheid. Durch die Verlegung der Landesgrenze in die Mitte des Flusses ging die Polizeigewalt auf der nördlichen Hälfte an die deutschen Behörden über. Diese Tatsache wird von gewisser Seite so interpretiert, dass es den Funktionären der Besitzerin des Fischrechtes nicht gestattet sei, mit Fischern auf dem nördlichen Ufer zu sprechen. Es scheint diesen Herren nicht bekannt zu sein, dass namentlich die Äschenfischerei mit dem hohem Schonmass, das von uns sehr streng gehandhabt wird, einer intensiven Kontrolle bedarf.

August 1962

Die Zeitung Hegau-Bodensee berichtet von einer Einzelrichtersitzung in Singen: Nicht das kleinste Schwänzchen ging dem Test-Fischer an die Angel, dafür eine Strafverfügung über 100 Mark, gegen die er Widerspruch erhob. Soweit ging alles nach Wunsch, schliesslich wollten die Fischer vom Hochrhein, auch der Bürgermeister war unter den Zeugen und der Altbürgermeister unter den Zuhörern, eine höchst richterliche Entscheidung, von der sie sich eine Wendung in Sachen schweizerischen Fischereirechts im Gailinger Rheinwasser erhofften. Ein Berg von Akten musste studiert werden, um die historischen Einlassungen des Angeklagten, eines alten Herrn, der der Fischwilderei beschuldigt war, entkräften zu können. Amtsgerichtsrat Greulich hielt die Strafe für rechtens und zog überdies noch die Angel ein. Rechtshilfe gaben das Auswärtige Amt in Bonn, das Baden-Würtembergische Ernährungsministerium, die Deutsche Botschaft Bonn und die Schweizer Justiz.